Sechs Bewerbungen ohne Ausschreibung
Heizungsbau Schäfer, Familienbetrieb seit 1972, 16 Mitarbeiter, hatte in den Jahren davor keine einzige Azubi-Bewerbung. Dann lief die Endkunden-Kampagne für Wärmepumpen: Videos mit Martin Schäfer und seinem Team, gezielt an Hausbesitzer in der Südpfalz. Ohne dass eine Ausbildungsstelle ausgeschrieben war, kamen sechs Azubi-Bewerbungen. Die Jugendlichen und ihre Eltern hatten den Betrieb in den Anzeigen gesehen und sich selbst gemeldet.
Das ist der wichtigste Punkt beim Azubi-Recruiting: Schüler bewerben sich bei Betrieben, die sie kennen. Ein Betrieb, der in der Region sichtbar ist, bekommt Bewerbungen. Ein Betrieb, den niemand kennt, bekommt sie nicht, egal wie gut die Ausbildung ist.
Das Problem ist das Bild vom Beruf
Ein 16-Jähriger weiß, was ein Mechatroniker macht und was ein Bürokaufmann macht. Was ein Anlagenmechaniker SHK macht, weiß er nicht, und seine Eltern denken an Rohre verlegen und verstopfte Abflüsse. Dass der Beruf heute heißt: Wärmepumpen auslegen, Smart-Home einbinden, Anlagen per App einstellen, mit sicherem Job und Meisteroption, kommt bei ihm nicht an. Genau das haben die Schäfer-Videos nebenbei gezeigt: moderne Technik, ein Team, ein Chef mit Namen.
Wo Schüler und Eltern sind
Zwei Zielgruppen, zwei Kanäle. Die Schüler sind auf TikTok, Instagram und YouTube. Die Eltern, die bei der Berufswahl mitreden, sind auf Facebook. Eine Ausbildungskampagne spricht beide an: kurze Videos vom Azubi-Alltag für die Schüler, ein Video vom Inhaber über Sicherheit, Gehalt und Perspektive für die Eltern. Beides im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern, weil Azubis nicht weit pendeln.
Was ins Video gehört
- Ein aktueller Azubi, der erzählt, was er diese Woche gemacht hat. Kein Chef, kein Ausbilder, der Azubi selbst.
- Die Technik: Wärmepumpe im Technikraum, die App, mit der die Anlage läuft, das Tablet für das Aufmaß
- Das Ausbildungsgehalt in Euro, pro Lehrjahr
- Was nach der Ausbildung kommt: Übernahme, Kundendienst, Meisterschule, mit echten Beispielen aus dem Betrieb
- Die Dinge, die für einen 16-Jährigen zählen: eigenes Werkzeug ab Tag 1, Führerschein-Zuschuss, Arbeitskleidung, Team-Events
Praktikum als Einstieg
Die Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz ist für Schüler eine große Hürde. Ein Schnuppertag oder ein einwöchiges Praktikum ist eine kleine. Die Kampagne bewirbt deshalb oft zuerst das Praktikum: Name, Alter, Handynummer, fertig. Wer eine Woche im Betrieb war und die Wärmepumpe selbst angeschlossen hat, bewirbt sich danach von allein.
Der Zeitpunkt
Ausbildungsplatzsuche läuft von Herbst bis Frühjahr. Eine Kampagne, die im Oktober startet, erreicht Schüler, die gerade über ihre Zukunft nachdenken. Eine Kampagne im Juli erreicht die, die noch nichts gefunden haben. Beides funktioniert, aber die Argumente sind andere.
Die günstigste Variante: Endkunden-Kampagne mit Azubi-Effekt
Das Schäfer-Beispiel zeigt, dass eine Kampagne für Wärmepumpen-Anfragen bereits Azubi-Bewerbungen auslöst, weil sie den Betrieb in der Region bekannt macht. Wer ohnehin Endkunden-Marketing macht, sollte das Thema Ausbildung mit einem eigenen kurzen Video ergänzen und eine einfache Praktikums-Anfrage auf die Website setzen. Der Mehraufwand ist klein, der Effekt kommt von allein. Bei Wallner Haustechnik wurde im Zuge der Kampagnen auch eine Werkstudenten-Stelle besetzt.
Ablauf für eine eigene Azubi-Kampagne
- Strategie-Session: Ausbildungsberuf, Start, Gehalt, Argumente für Schüler und Eltern
- Videodreh mit Azubi, Team und Inhaber
- Stellenseite mit Praktikums- und Bewerbungsformular, Kampagne live in 14 Tagen
- Bewerbungen direkt an den Ausbilder, Rückmeldung innerhalb von 24 Stunden, weil Schüler sonst weiterziehen
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